Nachdem die USA am Dienstag weitere 25-prozentige Zölle auf chinesische Waren in Höhe von 16 Milliarden US-Dollar eingeführt hatten, reagiert China auf gleiche Weise, um seine legitimen Interessen zu schützen und das multilaterale Handelssystem zu verteidigen. Experten aus beiden Ländern weisen derweil darauf hin, dass ein weiteres Andauern des Handelskrieges nur zu Verlusten auf allen Seiten führen werde.

Ein Tesla Model 3 wird im April in Beijing ausgestellt. China wird als Gegenmaßnahme zu den US-Zöllen auf chinesische Produkte seinerseits Zölle auf 333 US-Produkte erheben, einschließlich auf Autos.

Chinas Handelsministerium kündigte am Mittwoch an, dass China ab dem 23. August 25-prozentige Zölle auf Importe aus den USA in Höhe von 16 Milliarden US-Dollar erheben werde. Dies sei der jüngste Schritt, um seine legitimen Interessen und das multilaterale Handelssystem zu verteidigen.

Mit der letzten Handlung hätten die USA unvernünftigerweise seine heimischen Gesetze über das internationale Recht gesetzt, sagte das Ministerium. China werde seine Zölle zeitgleich mit den US-Maßnahmen einführen. China werde den Zoll auf 333 amerikanische Produkte anwenden, einschließlich Fahrzeugmotoren, Lieferwagen, PKWs, LKWs und Chemikalien, wie aus einer Liste der Zollkommission des Staatsrates hervorgeht.

Die Mitteilung folgte der Ankündigung des US-Handelsbeauftragten vom Dienstag, dass die USA ab dem 23. August 25-prozentige Zölle auf chinesische Importe in Höhe von 16 Milliarden US-Dollar erheben werden. Auf der finalen Zollliste sind 279 chinesische Produkte gelistet. Dies sind lediglich fünf Produkte weniger als am 15. Juni ursprünglich angekündigt wurden. Bei dem Großteil handelt es sich um Halbleiter und ähnliche Produkte. Viele davon werden in den USA konzipiert und hergestellt und erst zu Testzwecken und zur Verpackung nach China verschifft. Andere Produkte auf der Liste des Handelsbeauftragten sind zum Beispiel Schaltungskomponente für Fernbedienungen und Verkaufsautomaten oder Kondensatoren.

Die Zölle würden finanzielle Verluste für die US-Industrien verursachen, sagt Guo Xin, ein Forscher an der Chinesischen Akademie für Wissenschaft und Technologie für Entwicklung in Beijing. Die amerikanische Seminconductor Industry Association (Verband der Halbleiter-Branche) schätzt, dass die Importe aus China 2017 ungefähr 2,5 Milliarden US-Dollar wert waren.

Sobald die Zölle in Kraft treten, ist es wahrscheinlich, dass die steigenden Kosten an die amerikanischen Firmen weitergegeben werden. Gary Hufbauer, Forscher am privaten Peterson Institute for International Economics in Washington, D.C., sagte, dass es dem US-Handelsbeauftragten schlicht egal sei, ob amerikanischen Firmen, die auf chinesische Halbleiter vertrauen, geschadet werde. „Der Handelsbeauftragte wird sagen, dass diese Firmen profitabel sind und die Zölle verkraften können, ohne die Preise zu erhöhen”, prognostizierte er.

Die USA haben bereits 25-prozentige Zölle auf chinesische Güter im Wert von 34 Milliarden US-Dollar erhoben, worauf China entsprechend geantwortet hatte. Am 1. August drohte Washington dann, einen weiteren Sonderzoll von 25 Prozent auf Güter in Höhe von 200 Milliarden US-Dollar zu erheben.

Dong Yang, Vizepräsident der China Machinery Industry Federation in Beijing, sagte, dass die Rechnung der US-Regierung für ihre Zollpolitik auf drei Annahmen fuße. Erstens, dass sie nicht signifikant US-Verbrauchern schaden werde. Zweitens gehe die Regierung davon aus, dass sie alternative Märkte für ihre Nachfrage finden wird. Und drittens würden höhere Zölle nach ihren Plänen die Weiterentwicklung von Chinas Herstellungsindustrie verhindern.

Jon Taylor, Professor für Politikwissenschaften an der Universität St. Thomas in Houston, sagte, dass die US-Zollliste nur zu Nachteilen für US-Unternehmen führen werde und nicht zu einer Verhaltensänderung Chinas. „Einfach gesagt, je länger US-Präsident Donald Trumps kontraproduktiver Handelskrieg weitergeht, desto größer wird der negative Effekt für die USA, für China und die ganze Welt sein“, erklärt Taylor.