Seit einigen Tagen schlägt ein kurzes Video aus Changsha hohe Wellen in Internetgemeinde. In dem Video ist zu sehen, wie ein Polizist auf einen Straßenhund einprügelt. China.org.cn liefert nun die Fakten hinter dem Vorfall.

Am 31. Dezember hat ein Vorfall im chinesischen Changsha hohe Wellen geschlagen. Auf einer neunsekündigen Videosequenz ist zu sehen, wie ein Polizist einen Hund tötet. Mit einer Stange schlug der Polizist auf den Kopf des Golden Retrievers ein, der an einem Geländer festgekettet war. Der Hund ging daraufhin zu Boden.

Hundeschützer reagierten empört

Tierschützer bezeichneten das Verhalten des Polizisten als „Gräueltat" und „Tierquälerei" und verurteilten die Tat scharf. Einige Aktivisten gedachten des getöteten Tieres mit Kerzen am Ort des Geschehens. Auch in ausländischen Medien war die Empörung groß. Das deutsche Nachrichtenmagazin Focus berichtete online, der Polizist habe „mehr als drei Stunden lang" auf das Tier eingeprügelt, ohne die genaue Quelle anzugeben. Die englische Webseite fightdogmeat.com sprach von „einigen weinenden Passanten, die darum baten, den Vierbeiner zu retten, was aber von dem Polizisten abgelehnt wurde". Ein wütender Internetnutzer schrieb darunter, „hoffentlich findet sich in China jemand, der dieses Schwein von einem Polizisten auch zu Tode prügelt. Ich setze dafür eine Prämie aus."

Polizei veröffentlicht neues Videomaterial zum Vorfall

Der Hund war gegen 14:50 Uhr gegenüber Passanten aggressiv geworden.

Die Polizei von Changsha veröffentlichte am Neujahrstag Videomaterial und belegte die Aggressivität des Tieres. Darauf ist zu sehen, wie der Hund am 31. Dezember gegen 14:50 Uhr gegenüber Passanten aggressiv geworden war. Obwohl das Tier mit einer Leine an ein Straßengeländer festgebunden war, fiel es in den folgenden vier Minuten drei Passanten an. Einer davon war der 66-jährige Leng. Er konnte dem Hund nicht rechtzeitig ausweichen und wurde am rechten Knie gebissen. Nachdem er den Besitzer des Tieres nicht finden konnte, begab er sich ins Krankenhaus, um eine Tollwutprophylaxe zu erhalten. Anschließend alarmierte er die Polizei.

Zwei Polizisten wurden zum Ort des Geschehens entsandt, doch den Hundebesitzer konnten sie nicht ausfindig machen. Auch eine Plakette, auf der etwaige Tollwut-Schutzimpfungen des Hundes hätten dokumentiert werden können, konnte nicht gefunden werden. Doch der Hund verhielt sich derweil weiterhin aggressiv.

Ein Betäubungsgewehr führten die Polizisten nicht mit sich, und das Risiko, einen Schuss vor einer Menschenmenge abzugeben, wollten die Beamten nicht eingehen. Um weitere Verletzungen zu vermeiden, entschieden sich die Polizisten also, das Tier totzuschlagen.

Herr Leng alarmiert die Polizei.

Die Gerüchteküche brodelt, Polizist erhält Morddrohungen

Einige legen Beerdigungskränze vor der Haustür des Polizisten nieder.

Nachdem die Tötung des Golden Retrievers im Internet bekannt geworden war, versammelten sich mehrere Tierschützer vor der Polizeiwache und verlangten Rechenschaft, konnten von den Beamten jedoch nicht besänftigt werden. Derweil verbreiteten sich Gerüchte, der Polizist habe stundenlang auf das Tier eingeprügelt. Entrüstete Tierfreunde ermittelten Privatinformationen eines der Polizisten und veröffentlichten sein Foto, seine Telefonnummer sowie Privatanschrift im Internet. Mittlerweile hat der Polizist mehr als 2000 Nachrichten mit Beleidigungen erhalten. Tag und Nacht gingen Drohanrufe bei ihm ein, berichtet er. Einige legten Beerdigungskränze vor seiner Haustür nieder und aus dem Ausland erreichten ihn E-Mails mit Morddrohungen.

Internetcommunity uneins

In den Sozialen Medien löste der Vorfall eine hitzige Debatte aus. Hier einige Kommentare aus Chinas Internetcommunity:

„AA Sprengstoff": Der Polizist ist schuldig! Auch wenn er den Hund nicht vorsätzlich quälen wollte, hätte er ihn menschlich behandeln sollen. Auf offener Straße einen Hund totzuschlagen, ist keine gute Lösung.

„Bohnensprossen im Sonnenschein": Der Polizist hat den Auftrag, die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten. Der Hund ist aggressiv geworden und hat Menschenleben bedroht. Ich halte zu dem Polizisten!

In einer Umfrage des chinesischen Internetgiganten Tencent schrieben andere Internetnutzer, Hunde seien doch Freunde der Menschen, daher sei es auch selbstverständlich, Hunde zu schützen. Doch sei es nicht falsch, Hunde zu töten, die bereits Menschen verletzt haben und immer noch aggressiv seien. Viel schlimmer und unvernünftiger seien die sogenannten Hundeschützer, die den Polizisten bedrohen.

Die Beijing Youth Daily kommentiert, es sei ganz normal, dass ein solches Ereignis hitzig im Internet diskutiert werde. Unnormal sei es aber, dass der Vorfall dazu benutzt werde, die öffentliche Meinung aufzuhetzen, was unerwartete und schlimme Folgen haben könnte. Die zuständigen Behörden sollten daraus ihre Lehren ziehen und künftig noch größeren Wert darauf legen, Fehlinformationen so früh wie möglich zu korrigieren und die Untersuchung der Tat transparent und auf Grundlage der Gesetze durchzuführen.

Laut der Hundeverordnung von Changsha gelten freilaufende Hunde, die von niemandem geführt werden und keine Hundemarke tragen, als Straßenhunde. Die Polizei hat das Recht, solche Hunde zu jagen und zu töten.