Führungskräfte der Finanzwelt sind überzeugt von der neuen Orientierung der chinesischen Wirtschaft. Im Dialog sprechen sie über nationale Entwicklung und internationale Zusammenarbeit.

Am Dienstag fand der Dialog „1+6“ am runden Tisch in Beijing statt. Chinesischer Premierminister Li Keqiang hat sechs bedeutende Führungskräfte der internationalen Finanzwelt eingeladen: Präsident der Weltbank Jim Yong Kim, Geschäftsführerin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Christine Lagarde, Generaldirektor der Welthandelsorganisation (WTO) Roberto Azevedo, Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) Guy Ryder, Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Angel Gurria und Vorsitzender des G20-Finanzstabilitätsrats Mark Carney. Sie haben über Themen wie die Weltwirtschaft, multilaterale Handelsregelungen, nachhaltige Entwicklung und Chinas wirtschaftliche Umstrukturierung gesprochen.

In der ersten Jahreshälfte ist Chinas BIP um 6,9 Prozent gestiegen, was gemäß dem Arbeitsbericht der Regierung im angemessenen Rahmen liegt. Im Mittel sind 16.000 neue Unternehmen pro Tag registriert worden. In den städtischen Gebieten sind in den letzten vier Jahren jährlich dreizehn Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Von Januar bis August 2017 waren es 800.000 mehr Zuwachs an Arbeitsplätzen als 2016 im gleichen Zeitraum.

China habe in den letzten Jahren seine Wirtschaft umstrukturiert, gab der Premierminister an. Diese habe sich nun stabilisiert und mache 30 Prozent des weltweiten Wirtschaftswachstums aus. Da der Dienstleistungssektor mittlerweile am meisten Wertschöpfung, Steuereinnahmen und Beschäftigungsmöglichkeiten generiere, sei der Inlandsverbrauch zur treibenden Kraft geworden. Das Wirtschaftswachstum werde heute durch ein ausgewogeneres Zusammenspiel von Konsum, Investitionen und Export angetrieben. Li rief zu weiteren strukturellen Reformen durch technologische Revolution und industriellem Wandel auf. Mit der Förderung systematischer Innovationen sollen institutionelle Kosten gesenkt und Startups gefördert werden.

Auf den Dialog am runden Tisch legte Li großen Wert. Damit werde gezeigt, das China hinter Multilateralismus steht und als großer Verantwortungsträger seine Kommunikation mit der internationalen Gemeinschaft stärkt.

Die Weltwirtschaft bessere sich zwar, aber stehe noch vor zahlreichen Unsicherheiten. Li war der Meinung, dass man multilaterale Handelsmechanismen wahren müsse, die auf freiem Handel basieren. Weitere Öffnung sei essentiell für den Abbau von Handelsungleichgewichten und den gemeinsamen Gewinn für alle. Er appellierte an alle Länder, ihre eigenen Stärken so auszubilden, das die Weltwirtschaft auch davon profitieren kann und sagte: „Wir möchten offene Kommunikation mit internationalen Gemeinschaft fördern, sodass Politikgestaltung effizient ausgetauscht und Erwartungen angepasst werden können.“

Die sechs Gäste stimmten überein, dass Chinas Wirtschaft große Erfolge erzielt hat darin, Wachstum zu steigern, ihre Struktur zu ändern und sich gegen Risiken zu schützen. Gleichzeitig sei die Marktdynamik durch Unternehmergeist und Innovationen angeregt und die Geschäftsklima verbessert worden. China habe Multilateralismus und freiem Handel große Bedeutung zugemessen. Sie fanden, dass die nun stabile Wirtschaft in China der Konjunkturerholung und dem Wachstum weltweit zugute kommen kann.

In einer Pressekonferenz nach dem Dialog teilt Lagarde ihre Einblicke. Sie habe beobachten können, dass die chinesische Wirtschaft von Investitionen auf Konsum und von Industrie auf Dienstleistung umgeschwenkt habe und sich schneller als alle andere von mechanisch auf digital umstelle. Azevedo seinerseits begrüßt Chinas Einsatz bei der Umstrukturierung sowie den Fokus auf Nachhaltigkeit und Qualität und versprach seine Unterstützung. Für Kim steht fest: „Es ist die Zeit gekommen, in der wir stärker denn je auf multilaterale Institutionen und internationale Zusammenarbeit angewiesen sind.“