Der Direktor des Nationalen Klimazentrums in China hat am Mittwoch auf einer Pressekonferenz vor Extremtemperaturen gewarnt. Das Land wird von einer Hitzewelle getroffen, auch die Niederschläge liegen deutlich über dem Normalwert.

Chinesische Experten haben vor steigenden Temperaturen gewarnt. Die globale Erwärmung führt dazu, dass es in China immer heißer und feuchter werde, so Experten, die am Mittwoch das jüngste Blaubuch zum Klimawandel vorgestellt haben.

Xiao Chan, stellvertretender Direktor des Nationalen Klimazentrums, sagte auf einer Pressekonferenz, dass die umfassend hohen Temperaturen in diesem Jahr bisher die drittstärksten seit 1961 seien, jedoch schwächer als 2013 und 2017. Die Intensität wird anhand der Durchschnittstemperatur, des Einflussbereichs und der Dauer bewertet. Im August würden in den meisten Teilen Chinas eine Temperatur von ein bis zwei Grad Celsius über dem Normalwert erwartet werden, die Niederschläge würden 20 bis 50 Prozent über dem Normalwert liegen, sagte er.

Von der tödlichen, sengenden Hitzewelle, die Mitte Juni begonnen hat, sind nach Angaben des Zentrums über 900 Millionen Menschen betroffen. Die Provinz Zhejiang und Shanghai verzeichneten einen rekordverdächtigen Stromverbrauch, und in den Provinzen Jiangsu, Sichuan und Zhejiang wurde bei zahlreichen Menschen ein schwerer Hitzschlag diagnostiziert.

Regen und hohe Temperaturen um 35 Grad Celsius, die meteorologische Warnungen auslösten, sorgten dafür, dass sich Beijing wie ein Kochtopf anfühlt. Der örtliche Wetterdienst warnte die Einwohner, sich nicht über längere Zeit im Freien aufzuhalten. Touristen und Straßenreiniger wurden in letzter Zeit in den U-Bahn-Tunneln der Stadt gesehen, wo sie sich ausruhten.

Laut dem am Mittwoch veröffentlichten Blaubuch über den Klimawandel in China nimmt das Risiko extremer Wetterereignisse mit der Erwärmung des globalen Klimas zu. Im vergangenen Jahr lag die globale Durchschnittstemperatur um 1,11 Grad Celsius höher als der Durchschnitt zwischen 1850 und 1900 und gehörte damit zu den sieben wärmsten Jahren seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen. Das Buch wird seit 2011 jährlich von der China Meteorological Administration veröffentlicht.

„Extreme Wetterereignisse wie sintflutartige Regenfälle und sengende Temperaturen treten häufiger auf, da die Klimarisiken gestiegen sind“, sagte Yuan Jiashuang, stellvertretender Direktor des Nationalen Klimazentrums und Mitherausgeber des Buches. „China, das für den Klimawandel anfällig ist, hat einen schnelleren Temperaturanstieg erlebt als der globale Durchschnitt“, fügte er hinzu.

Im vergangenen Jahr war die durchschnittliche Oberflächentemperatur in China um 0,97 Grad Celsius höher als normal, der höchste Wert seit 1901. Als Folge des wärmeren Klimas stiegen die Niederschläge in China im vergangenen Jahr um 6,7 Prozent gegenüber dem Normalwert an. Das Qinghai-Tibet-Plateau verzeichnete dem Buch zufolge einen besonders starken Anstieg der Niederschläge. Der Wasserspiegel des Qinghai-Sees ist in 17 aufeinanderfolgenden Jahren gestiegen und hat mit etwa 3.200 Metern über dem Meeresspiegel das Niveau der frühen 1960er-Jahre überschritten, heißt es.