Die kurzfristige Wertentwicklung einzelner Aktien sei kein angemessenes Maß für die Bewertung der laufenden Kapitalmarktreform, die das Science and Technology Innovation Board (STAR) vorangetrieben hat, sagte ein hochrangiger Beamter in einem Interview mit Xinhua.

Yi Huiman, Vorsitzender der Chinesischen Wertpapierregulierungsbehörde, unterstrich das Vertrauen, die Geduld und die langfristige Perspektive bei der Bewertung der Leistung der High-Tech-Börse im Nasdaq-Stil, die am 22. Juli an der Shanghaier Börse eingeführt wurde.

Das Kapital zu nutzen, um die chinesische Wirtschaft innovativer zu machen, und nach Wegen zu suchen, um institutionelle Verbesserungen auf dem Kapitalmarkt zu erzielen – das seien die beiden Ziele gewesen, mit der die neue Börse gestartet war.

Für die Aufsichtsbehörde hängt die Bewertung des Tempos und der Intensität der Reform auf dem STAR-Markt hauptsächlich davon ab, wie gut diese beiden Missionen durchgeführt werden. Dabei werden die die Inkubation führender Wissenschafts- und Innovationsunternehmen sowie die Fortschritte bei institutionellen Innovationen besonders betrachtet.

So weit, so gut

„Die laufende Reform kann als Erfüllung der Erwartungen bei stabiler Leistung beschrieben werden", sagte Yi.

Bis Ende Oktober stiegen die Kurse der ersten Partie von 25 Aktien, die an der Börse gehandelt werden, um etwa 90 Prozent. Die Kurserhöhungen werden im Verlauf tendenziell rationaler im Vergleich zu einem durchschnittlichen Anstieg von 150 Prozent am ersten Handelstag, wie Daten aus Shanghai zeigten.

Der Markt hat mehr als 4,4 Millionen berechtigte Investoren angezogen und war ziemlich aktiv im Handel. Der tägliche Umsatz erreichte im Durchschnitt 14,2 Milliarden Yuan (2 Milliarden US-Dollar), was drei Prozent der gesamten Börsen in Shanghai und Shenzhen entspricht. Darüber hinaus spiegelten sich die großen Erfolge der neuen Börse in seinen institutionellen Innovationen wider, und laut Zhang Anyuan, Chefvolkswirt der China Securities Corporation, war die Implementierung des auf Registrierung basierenden Börsengang-Systems (IPO) von zentraler Bedeutung.

Der STAR-Markt befürwortete ein registrierungsbasiertes IPO-System, das strenge Offenlegungen von Informationen erfordert, jedoch keine Genehmigung durch die Regulierungsbehörde benötigt, was als „größte institutionelle Innovation" angesehen wird.

In den letzten Monaten hat sich das neue IPO-System bewährt und breite Anerkennung auf dem Markt gefunden. Der Mechanismus zur Offenlegung von Informationen zwang die betroffenen Parteien, Verantwortung für ihre Arbeit zu übernehmen, und erhöhte die Offenheit und Transparenz. Mit dem neuen System wurde der Registrierungsprozess zudem auf weniger als vier Monate verkürzt.

„Es hat auch den Börsengang einer Reihe von qualifizierten Wissenschaftsunternehmen erleichtert", sagte Yi. „Ich bin zuversichtlich, dass die neue Börse im Laufe der Zeit die Wiege der großen Technologiedisruptoren [Wirtschaftsbegriff für Unternehmen mit neuer bahnbrechender Erfindung] sein wird."

Noch mehr zu erwarten

Obwohl das auf der Registrierung basierende IPO-System als Auslöser der umfassenderen Kapitalmarktreform angesehen wurde, sagte Yi, es sei nicht ratsam, einfach das zu kopieren, was auf dem STAR-Markt getan wurde: „Wir werden die unterschiedlichen Funktionen der Märkte auf verschiedenen Ebenen sowie deren Marktrealität berücksichtigen, um die Reformen unter der Voraussetzung einer gründlichen Planung und Marktstabilität stetig voranzutreiben.“ In erster Linie werde das registrierungsbasierte IPO-System kontinuierlich weiterentwickelt, damit der Markt selbst wählen und die Effizienz der Ressourcenallokation auf dem Kapitalmarkt deutlich verbessern könne. Die Überarbeitung des Wertpapiergesetzes werde die Reform des Marktes für Wachstumsunternehmen und das umfassendere Experiment von Börsengängen auf der Grundlage von Registrierungen zusätzlich erleichtern, sagte Yi.

Auf der Grundlage der Erfahrungen des STAR-Marktes werden institutionelle Verbesserungen vorgenommen, um die Hauptregeln des Kapitalmarktes zu optimieren, einschließlich derer, die die Ausgabe von Aktien, das Unterzeichnen, den Handel, die Beaufsichtigung und das Delisting [Aktien werden nicht mehr an der Börse gehandelt] betreffen.

Im September legte die chinesische Wertpapieraufsichtsbehörde zwölf Prioritäten für die Verbesserung des Kapitalmarkts fest, darunter eine stärkere Absicherung der Anleger, die Gewinnung von mittel- und langfristigem Kapital und die weitere Öffnung des Kapitalmarkts.

Neben einer Reihe bereits verabschiedeter Reformmaßnahmen bemüht sich die Behörde verstärkt um einen Aktionsplan zur Verbesserung der Qualität börsennotierter Unternehmen.

Die Regeln für „Spin-off-Listings“ [eine besondere Form des Börsengangs] werden so bald wie möglich veröffentlicht, während der Anlegerschutz und die Straffung der Rolle der Aufsichtsbehörde gestärkt werden, fuhr er fort. Für die politischen Entscheidungsträger wird es laut Yi eine Herausforderung sein, inmitten von Unsicherheit Gewissheit zu schaffen, indem die geeigneten Bedingungen für den Fortschritt der Reformen geschaffen und ein Reformzeitplan auf höchster Ebene festgelegt werden.

Die Prinzipien, nach denen sie Lösungen finden, sind: „Kontinuierliche Fortschritte, gute Koordination und schnellstmögliches Arbeiten."

Der Prüfstein, anhand dessen sie den Erfolg der gesamten Kapitalmarktreform bewerten, besteht aus zwei Teilen: „Ob die Markterwartungen wirklich verbessert werden können und ob das Marktvertrauen gestärkt werden kann", sagte Yi.